Türen und Räume
Adventskalender 2022 im Fediverse
In diesem Raum riecht es anders: nach Zimt und Lebkuchen, Mandarinen. Es gibt andere Klänge, Lieder, die wir vielleicht singen oder mitsummen, aber auch Klänge, die in meinem Innersten anklingen und Erinnerungen wecken.
Das Eintreten in Räume hat auch mit Türen zu tun. Wir kennen das Adventslied: "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit". Eintritt in die Räume: Die Türchen an den Adventskalendern machen das auf ihre Weise auch noch einmal deutlich.
Meine Kindheitserinnerung an Weihnachten mit Türen und Räume:
Immer am Heilig Abend. Grosser Spaziergang mit der Schwester und dem Vater am späteren Nachmittag. Beim Heimkommen gibt es eine heisse Schokolade. Aber etwas hat sich verändert. Die Schiebetüre zwischen Esszimmer und Wohnzimmer, die das ganze Jahr immer offen stand, ist jetzt geschlossen.
Es folgt ein feines Nachtessen im Esszimmer – dann wird die Türe zum Wohnzimmer aufgemacht – und dort steht der Tannenbaum, die Kerzen brennen und darunter liegen die Geschenke. Die Türe ging so auf zu einem speziellen Raum mit dem Weihnachtsbaum.
Die Türen des Advents und Weihnachten machen bei uns vielleicht auch wieder Räume auf, Räume der Erinnerung. Wir erinnern uns an unsere Kindheit und Jugend, an Weihnachten. Man erinnert sich an die Zeit damals, wie man sich auf Weihnachten gefreut hat, auf den ersten Schnee.
Die Advents- und Weihnachtszeit ist nicht nur eine besinnliche Zeit. Es ist auch eine sinnliche Zeit. All unsere Sinne kommen auf die Rechnung: Das Hören, das Riechen mit der Nase, das Schmecken mit dem Gaumen, das Fühlen.
Nun, diese Zeit macht uns nicht nur empfindsamer, vielleicht auch verletzlicher. Besonders dann, wenn wir mit unseren Erinnerungen konfrontiert werden. Oder mit der Frage: Wie ist es sonst durchs Jahr mit unseren Lebensräumen? Wohne ich in einem Raum, in dem es ganz dunkel ist, weil meine Fragen oder sogar Konflikte die Farben verschlucken? Wohne ich in einem Raum, in dem nichts mehr vertraut ist, weil mein Leben sich so rasant verändert?
Ich denke, es ist gut und es ist wichtig, dass es jedes Jahr Advent und Weihnachten wird – wo Türen aufgestossen werden zu neuen Räumen – nehmen wir sie wahr und wagen uns, sie zu betreten.
So wünsche ich euch allen eine solch schöne, besinnliche und eben auch sinnliche Zeit und Weihnachten mit möglichst vielen Farben, wohltönenden Klängen, feinen Düften und guten Gedanken.